Auf dem Weg zu mehr Selbstliebe - dringend notwendig in den Pflegeberufen


Angesichts der wieder erneut aufgetretenen Fragen und Debatte in der Pflege und dem Pflegenotstand fand ich auf meiner Festplatte Zeilen, die ich vor über 20 Jahren geschrieben habe (nach bis dahin bereits 20 Jahren Arbeit in Pflege und sozialen Bereichen) - als eine intensive Auseinandersetzung in meinem Inneren stattfand - zum Thema Selbstliebe, ausgelöst durch Krankheit und einige parallel ablaufenden Krisen in meinem Leben.


U.a. habe ich sicher den Beruf der Krankenschwester gewählt, weil meine Wünsche einerseits immer so waren, mich dem Heilen und dem Wachsen von Menschen und im Inneren, in irgendeiner Form verpflichtet zu fühlen, aus Liebe zu den Menschen, bis hin zum Interesse an der Psychologie und Philosophie. 

Ich musste immer schon verstehen und setzte mich daher mit vielen verschiedenen Glaubensrichtungen auseinander – da es eine Diskrepanz für mich gab, in den durch meine Religion vermittelten oft strafendem Gott und meinem inneren Gott der Liebe.
Meine Glaubensüberzeugungen wurden intensiv auf den Prüfstand gesetzt während dieser intensiven Auseinandersetzung in mir selbst.
Es erfolgten ausgeprägte innere Auseinandersetzungen mit der Priorität der katholischen Kirche u.a. bezüglich des Leidens von Jesus Christus. Damit verbunden, wurde mir bewusst wie sehr ich mein persönliches Leid, unter diesem Dogma bzw. wie ich heute finde der falsch verstandenen Leidensbereitschaft, verdrängt hatte.
Zum ersten Mal wurde mir bewusst das beim Gebot „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“, mir dieses „ Wie Dich selbst“ nie nahe gebracht worden war. Ich fand erstmals die höhere Bedeutung der Auferstehung gegenüber dem Leiden von Jesus Christus und kam zu einer Neuorientierung diesbezüglich.

Das erste zarte Pflänzchen der Selbstliebe begann damals zu wachsen.

Die Bedingungen im Sozialen Bereich und in den Krankenhäusern war noch nie leicht.
In meiner Ausbildungszeit hatten wir noch vier Wochen Nachtwachen am Stück, pro Nacht 12 Stunden – zwei Auszubildende für ca. 40 Klienten zuständig, dazu ein Intensivzimmer, morgens 20 Patienten zu waschen - um 2:00 Uhr in der Nacht mussten wir beginnen um alle Aufgaben zu erledigen - nach der 2. Runde . In manchen Nachtwachen bis zu 14 Tote - oft konnten wir nichts essen und Getränke wurden immer kalt. Manche Nacht mit ihren unterschiedlichen Krankheitsbildern, zwischen Desorientierung, Alkoholentzug, psychiatrischen Erkrankungen und schwersten körperlichen Erkrankungen, führte an, oder über die eigenen persönlichen Grenzen.
Diese schon früh so extrem hohe Verantwortung war manchmal fast unerträglich – aber um Leiden zu lindern hielt man durch.
Manche Mitarbeitende rutschten selbst in Abhängigkeiten von Medikamenten und Alkohol, oder schlitterten knapp daran vorbei.
Mich trug immer mein Idealismus und mein Glauben. Die Anforderungen brachte mich aber auch über meine persönlichen Grenzen, bei denen ich im Nachhinein gesehen, jedes gesunde Körpergefühl verlor.
So bin ich einmal in der Sonne eingeschlafen und hatte mir die Füße verbrannt, bin in der folgenden Nacht jedoch wieder mit geschwollenen Fußsohlen 12 Stunden arbeiten gegangen. Das Schmerzempfinden war in dieser Zeit oft völlig ausgeschaltet.


Foto etwa 1975 in der Nachtwache

Das Alles kam mir in dieser schmerzhaften Reflexion hoch ins Bewusstsein, jeder Geruch, jeder Schmerz, jedes unaushaltbare Bild der Extreme, - Suizide, Wasserleichen und all der abgespeicherte Schmerz aus der Umgebung dieser Tätigkeit.
Wir hatten die Obduktion für den Kreis aller unklarer Todesursachen im Krankenhaus und mussten Verstorbene nachts in die Leichenhalle bringen.
Heute habe ich in Bewusstheit tiefstes Mitgefühl für alle Katastrophenhelfer, da ich weiß welche Bilder sie verarbeiten müssen, irgendwann in ihrem Leben.
Und ich möchte mit diesen Erfahrungen darauf hinweisen, dass die Bedingungen im sozialen Bereich damals wie heute nicht o.k. sind, verstoßen sie doch im Wesentlichen oft gegen die Selbstliebe.
Ich habe bis heute nicht gelöst, wie ich die Anforderungen, die oft darauf ausgerichtet sind wegen des Mitgefühl und durch institutionell angelegte Schuldgefühle über die eigene Grenzen zu gehen, zwischen Selbstliebe und Nächstenliebe, in Einklang zu bringen. Das macht mich traurig, denn es ist in der Arbeit immer wieder ein Konflikt mit viel Reibung.

Das habe ich vor 20 Jahren teilweise so geschrieben – inzwischen habe ich eine Arbeit mit besseren Bedingungen für mich gefunden und kann besser für mich sorgen.



Überall in unserer Gesellschaft gibt es diese beschriebenen Bedingungen aber weiterhin. Und wenn es keine Lösung gibt in Politik und Gesellschaft endlich für bessere Bedingungen in den Pflegeberufe zu sorgen, stehen diese so wichtigen Bereiche unserer Gesellschaft, endgültig vor dem Kollaps. Denn eigentlich zum Glück – gibt es immer mehr Menschen, die diese Bedingungen für sich nur noch kurz oder nicht mehr akzeptieren und deswegen diese Berufe nicht mehr ausüben wollen.

» Pflegenotstand

» Die Taschenuhr


Es gibt keine Fehler oder Niederlagen auf deiner Reise durchs Leben, sondern nur Stationen mit unterschiedlichen Erfahrungen.

Achte auf deine Gedanken,
denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, 
denn sie werden Taten.
Achte auf deine Taten,
denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, 
denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, 
denn er wird dein Schicksal.
~ aus Sanskrit ~  





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Zufallsspruch:
Am letzten Abendmahl wird die Menschheit bis zum Ende ihrer Tage zu kauen haben. Gregor Brand (*1957)

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Ute
Hallo Liz,
bin über Engelberts Seelenfarben auf deine Seite gekommen und finde sie einfach nur toll-
LG


2.1.2016-8:29

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