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Gedachtes und Gefühltes zur vergangenen Woche


Viel war in der Woche los besonders im Inneren - es auszudrücken braucht etwas Zeit, das geht in der Woche neben der Arbeit nicht, aber jetzt möchte ich Euch meine Gedanken und Gefühle doch einmal mitteilen und auszudrücken versuchen.

Montag so was von Dauerregen - bin mehrfach nass geworden bei den Klientenbesuchen - rein ins Auto raus aus dem Auto und der Schirm ist meistens da wo ich ihn nicht brauche.

Habe mich lange nicht mehr so geärgert wie über die Glyphosat Entscheidung. Ich konnte mich irgendwie zunächst gar nicht wieder beruhigen. Es war sowas von in mir  - "es reicht"!!!  Seit ewigen Jahren wissen wir um die Klimaveränderung, die Gefahr der Umweltverschmutzung, die unaushaltbare Behandlung der Tiere und nichts geschieht wirklich. So eine elende Ignoranz!

Ähnlich wie zu den Themen "Pflegenotstand" - den gibt es auch schon immer und ich bin schon mit achtzehn deswegen zur Demonstration gegangen - und nie hat sich was wirklich Angemessenes getan. Dann wurde mal wieder viel ausgebildet - doch durch die Schwere der Arbeit veränderte sich immer wieder schnell der Personalpool,  da Viele auch schnell wieder aussteigen.

Und nicht zu vergessen das Thema sexulle Übergriffe und Sexismus. Auch das war leider immer schon so - und wenn man sich Hilfe holen wollte, wurde es von den Frauen toleriert, denn sie hätten sich ja mit ihren Männern auseinandersetzen müssen und sich wehren, wenn sie es mitbekamen, also war die Frau schuld, die es ansprach. Es wird bis heute bagatellisiert von Frauen und Männern - vielleicht weil sich so Viele dann ihr eigenes Verhalten ansehen müssten. Ich habe mich im Netz an dem "MeToo" nicht beteiligt - vielleicht weil ich es immer nicht ab kann, wenn etwas "künstlich" hochgeschaukelt wird und mir in keiner Weise daran liegt Männer schlecht machen zu wollen. Ich mag Männer - beide Geschlechter haben ihren Anteil daran, das es so lange zugedeckt wurde und immer noch Thema ist. Selbst ein guter Freund von mir muss immer sofort abwiegeln wenn ich meine Meinung dazu sage, wenn mal wieder was Aktuelles in der Welt geschehen ist. Ich habe mich früher mit Angst gewehrt wenn es zu schlimm war - ich war zu sensibel um es einfach hinnehmen und ertragen zu können und hatte auch die nötige Kraft,  mit den Jahren immer selbstverständlicher und jetzt ist es aufgrund meines Alters nicht mehr so aktuell ;-)

Aber es ist seit meiner Jugendzeit  doch überall in der Gesellschaft Thema ohne jemals Thema geworden zu sein über viele Jahre. Es ist notwendig das es ausgesprochen wird, weil nur das Bewusstsein schafft - aber ohne Schuldvorwürfe, das bringt nichts und verunsichert nur. Natürlich nicht bei sexuellen Straftaten. Ich weissß noch wie tief erschüttert ein gestandener Pfleger in der Akutpsychiatrie mir erzählte, das er es kaum ertragen konnte das die vergewaltigte Frau in der Leichenhalle lag während der Täter auf der Station gebauchpinselt wurde.

Im Alltäglichen erlebte ich Sexismus überall - Fahrlehrer, Pastor im Zug der mich begrapschte - und als ich mich entziehen wollte mir mitteilte, er wäre evangelischer Pastor - wohl um mir zu signalisieren ich bräuchte keine Angst haben?!, - im Schwimmbad - ich warnte die Person 2 x - dann habe ich ihn öffentlich geohrfeigt und angebrüllt und erhielt das erste Mal Beifall von jungen Leuten, - in einer Kur musste ich über einen Tisch klettern um aus einer Ecke zu kommen- da der Person einfach mein " Nein" nicht verständlich war, - und oft wenn ich es erzählte Unverständnis und Ablehnung in meinem Umfeld, Vermieter der mich einfach grob an den Po fasst und in eine Ecke drängte - ich habe es erzählt, mich vollkommen distanziert, hätte eine Anzeige gemacht wenn es sich wiederholt hätte, denn bis dahin hatte ich schon genug Erfahrungen gemacht das Öffentlichkeit es beendet - war nicht mehr nötig, weil er sich indirekt entschuldigte.

Als die Themen der Sexualität  und Missbrauch in der Gesellschaft erstmals aufbrach so ca. vor 35 Jahren, hatten wir in der Psychiatrie wenig Klienten die nicht betroffen waren - Frauen, aber auch Männer. Ich arbeitete zu der Zeit in einer psychiatrischen Tagesklinik.  Es war immer notwendiges Thema in der Therapie und Ursache vieler Symptome und erforderte damals eine persönliche Aufarbeitung und Reflexion, um den Bedürfnissen der Betroffenen gerecht werden zu können.

Die jungen Frauen tun mir leid, vielleicht können wir als Gesellschaft endlich vermitteln das sie " Nein" sagen dürfen und gehört werden. Das es o.k. ist und sie sich nicht schämen müssen weil sie nichts falsch gemacht haben. Hier einige Beispiele zum Thema Sexismus im Alltag.

Es hat für mich lange gebraucht mich aus der Scham und Angst zu befreien und ich hoffe das die Diskussionen darüber das leichter machen, denn zu meiner Zeit gab es diese Öffentlichkeit noch nicht. Bei dem Thema muss ich sagen, hat es mich aber jetzt immer noch innere Auseinandersetzung gekostet meine eigene Betroffenheit damit öffentlich zu machen! 

Dann hatte ich an einem Tag eine Talkshow zum Thema " hat die Gewalt zugenommen"?  Ich war mit den Meinungen nicht einverstanden, denn sie hat innerhalb der Gesellschaft zugenommen, meiner Meinung nach!  In der Psychiatrie spürt man das regelmäßig deutlich, was mich immer in gewissem Maße mit der Polizei sympathisieren läßt, die oft ebenso wie Mitarbeiter in den sozialen Bereichen, die Fehlentscheidungen der Politik ausbaden muss. Wobei ich schon manchmal mit dem Kopf schütteln muss - eine Situation die wir als MitarbeiterInnen alleine bewältigen müssen, wurde einmal als polizeiliche Hilfe angefordert wurde von einem SEK Einsatz begleitet. Das Problem - wir dürfen keine Gewalt anwenden, die Polizei darf keine Gewalt anwenden .......was ist angemessene Gewalt wenn man sich wehren muss - darf?

Täglich bekomme ich es zudem auf der Straße mit, wenn ich mich durch das Verkehrschaos bewege.

In Resonanz zu meinem Inneren erlebte ich es dann hautnah, wie eine junge Frau mit "dickem" Auto mindestens mit 100 KMh von der Schnellstraße kam, voll hupte und mir fast ins Auto gefahren wäre. Da sie aus der Kurve kam hatte ich sie nicht sehen können - konnte aber gerade noch die Spur wieder wechseln. Adreanalin hoch, die Knie schlotterten. Aber damit nicht genug setzt sie sich an der nächsten Ampel neben mich in die Spur - und obwohl ich einlenkend, entschuldigend winkte - fuchtelte sie voll aggressiv herum und zeigte mir einen Vogel. Ich habe dann einfach nur noch abgewunken und sie ignoriert  - es lohnt sich nicht ....

Anstrengende Telefonate und viel Schreibkram, bis sich dann durch den schönen Nachmittag in Detmold auf Weihnachtsmarkt und mit Schloßbesichtigung alles etwas beruhigte.

Zu meiner Freude überraschende Kontaktaufnahme über Facebook aus der ganz fernen Vergangenheit am Donnerstag.

Wie  ihr seht  - Dinge die mich im Inneren bewegen! Dann wenn ich sie aufschreiben könnte, sind sie aber oft schon wieder verblasst. Diese Woche war ich jedoch recht aufgewühlt, betroffen - deswegen ist es auch noch da - sonst kann ich in der Regel schneller loslassen und die Gefühle sind weg.


Liz 03.12.2017, 12.38

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